Stück für Stück

Kategorie: Blog

Nach «Alt statt Bit» im ersten Beitrag heisst es heute «Stück für Stück» - quasi an die digitale Programmierkette Linie für Linie angefügt. Das nennt man Blockchain. Im Prolog meiner neuen Geldserie habe ich die Blockchain als «E-Motorblock der digitalen Geldmaschine» bezeichnet. Die Blockchain ist der technologische Motor fast aller Kryptowährungen, aber sie kann viel weitergehender im Internet genutzt werden. Im Grunde genommen handelt es sich bei der Blockchain um nichts Weiteres als eine dezentrale Datenbank von Recheneinheiten, die über ein öffentliches und privates Schlüsselpaar (Public-Private-Keypair) gesichert ist. Das sogenannte Hauptbuch zur Sicherung der Datenbank ist dabei nicht zentral, sondern komplett dezentral auf verschiedenen teilnehmenden Computern abgespeichert und einsehbar.

 

Diese Technologie des verteilt abgespeicherten Hauptbuches (englisch: Distributed Ledger Technology, DLT) ist das, was die Blockchain-Technologie sicher machen soll. Neue Recheneinheiten werden in dieser verteilt, aber immer vollständig abgespeicherten Datenbank zeitlich markiert und aneinandergereiht. Sie sind für alle Teilnehmer einsehbar und müssen von ihnen bestätigt werden. Das Ganze ist zeit- und rechenintensiv, was einer der Nachteile der Blockchain ist. Aber es ist eben auch sicher, weil kein Einzelner die Datenbank ändern kann. Das ist der grosse Vorteil. Wenn man also beispielsweise eine Kühlbox für wichtige Medikamente auf ihrer Reise ständig verfolgen will, geht das auch über eine Blockchain. Und die kann kein einzelner Transporteur manipulieren, falls die Kühlung ausfallen sollte.

 

Glaubt man den Blockchain-Enthusiasten, dann ist sie eigentlich the next big thing in the internet of things (IoT), auch wenn die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. Sie ist noch zu langsam, weil die vielfache Authentifizierung langsam ist. Erst wenn fünf, sechs Blöcke an die Kette angehängt sind, kann man sie im Grunde nicht mehr wieder auflösen. Und auch wenn man durch die Blockchain viele Mittler wie Banken, aber auch Notare und sonstige Eigentumsrechte-Verwalter auf lange Sicht ausschliessen kann, so ist die Sache nicht umsonst. Die Blockchainians bekommen für ihre Authentifizierung eine Gebühr – vielfach in Bitcoins oder anderen Coins oder Tokens (Rechten). Ein Bitcoin ist auch nichts anderes als ein Währungstoken, mit dem man nichts anders machen kann als zu kaufen und zu verkaufen.

 

Spannend dürfte die Blockchain-Technologie werden, wenn sie Rechte mit Zahlungen verknüpfen kann. Das macht vor allem Etherium – ein Token, an den man einen digitalen smart contract anhängen kann. An der eigentlichen Währungseinheit Etherium hängt sozusagen noch etwas fest dran: Entweder ein Equity-Teil, der den Käufer berechtigt, später diesen Token gegen eine Aktie einzutauschen oder den Profit wieder in Etherium oder Bitcoins einzutauschen. Daneben gibt es noch Utility-Tokens, die im Prinzip in einem geschlossenen Netzwerk als Währung gelten – beispielsweise in einer Firma als interne Verrechnungseinheit. Aber eines muss man wissen: Entweder hat man mit viel Aufwand zu Beginn einmal Bitcoins oder andere Kryptowährungen geschürft oder man muss sie zunächst mit richtigem Geld kaufen. Und auch echte Gewinne lassen sich bis dato nur in echten Währungen errechnen.

 

Wie auch immer. Hier geht es ja ums liebe Geld: Die Kinder, Kindeskinder und Geschwister der Bitcoin-Entwicklung basieren fast alle auf der Blockchain-Technologie. Und die scheint der eigentliche Nukleus für den Erfolg zu sein, dass sich 2008 eine Peer to Peer (P2P)-Technologie zur Vernetzung, Verschlüsselung (über kryptografisch sichere Hashs, also «Identifikationsschilder») und Verteilung von Daten und Datenbanken durchsetzen konnte. Die Blockchain war bei allen Bitcoin-Betrugsfällen niemals das Problem, sondern lediglich die kryptologischen Währungsbörsen waren gehackt worden. Wer nämlich sein Geld nicht in einem Kryptowährungswallet (einer elektronischen Geldbörse oder Safe oder Briefkasten) aufbewahren will, hinterlegt es bei Kryptowährungsbörsen wie Coinbase oder anderen Plattformen, die für sich Vertrauen schaffen müssen – wie eine richtige Bank.

 

Während Bitcoins im Grunde nur digitale Coins oder ein Token sind, sind Ether von Etherium so genannte Infrastrukturmünzen, die nicht nur einen Zahlungsvorgang auslösen, sondern dahinter ein digitales Vertragswesen haben. Damit kann man über Ether so genannte Smart Contracts abschliessen, weshalb Ether auch zur wesentlichen Währung der Initial coint offerings (ICO) geworden ist. Wer sich für einen neuen Coin interessiert, kann sie bei Ether kaufen und später über Ether auch tauschen. Viele Startups finanzieren sich inzwischen über ICOs, in dem sie auf Etherium basierte eigene Tokens herausgeben, die man entweder in Etherium oder die neue «Aktie» tauschen kann. Der nächste Artikel handelt deshalb von ICOs. Schaut man sich das genauer an, so funktionier es ähnlich wie IPOs – nur das alles im Netz und ohne Investmentbanken stattfindet.


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