Bitcoins - der neue "heisse Scheiss"

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Sind Bitcoins der neue «heisse Scheiss» an den Finanzmärkten? Auf jeden Fall! Denn die Mutter aller Krypowährungen hat einen Kursverlauf, der mit einer normalen Fieberkurve nicht mehr zu erklären ist. Die Spekulanten – und nichts anderes sind die aktuellen Anleger mit Tesla-Elon als Mus(sk) an der Spitze – müssen im Delirium sein. Also: Bitcoins sind ganz ganz sicher der neue «heisser Scheiss» aus der Küche der Finanzalchemisten. Und in die Küche soll man bekanntlich nicht gehen, wenn man keine Hitze aushalten kann. Wer keine Nerven hat, dass der Bitcoin-Kurs mal locker um 10.000 bis 15.000 Dollar pro Tag rauf oder runtergehen kann, sollte lieber die Finger von dem «digitalen Geld» – gerne auch als «digitales Gold» bezeichnet – lassen und sich nicht die Anlagefinger verbrennen.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass Bitcoins jenseits der aktuellen Hyperspekulationen die Welt des Geldes disruptiv verändern werden, ohne selbst echtes Geld zu sein. Wie dar einst die Geldautomaten! Die waren nach dem früheren US-Notenbankerchef Paul Volcker ohnehin die letzte grosse [sinnvolle] Innovation in der Finanzindustrie. Weil sie Geld ubiquitär gemacht hatten – überall verfügbar, wenn man eine Kredit- oder Debit-Karte dabeihat. Genau das machen die Bitcoins heute auch. Sie machen Geld sozusagen «digiquitär» - überall im Internet verfügbar, und dies nach den neuen smarten schnellen Regeln des Internets und eben nicht nach den Regeln der Banken oder der Abwickler wie Mastercard. Selbst Paypal muss im Internet mit echtem Geld bezahlen.

An der Stelle wird es interessant. Das Spannende sind nämlich nicht Bitcoins selbst, sondern die dahintersteckende «Distributed Ledger Technologie» der Blockchain. Das ist diese digitale dezentrale Datenbank, auf der die Versendung und vor allem die Verschlüsselung von Bitcoins und der über 2.000 Alternativen, den sogenannten Altcoins, abgewickelt wird. Wenn Bitcoins der neue «heisse Scheiss» sind, dann gewährleistet die Blockchain im übertragenen Sinne, dass alle - wie auf einem Röntgenbild - den ganzen Stoffwechselkreislauf mit beobachten können. Wer auf Bitcoins setzt und kein Tesla-Jünger ist, sollte deshalb vielleicht eher in Kryptofonds anlegen, bei denen Profis in digital-monetäre Blockchain-Technologien investieren. Denn dabei sollte man sein, wenn es richtig losgehen wird.

Wann geht es richtig los? Wann «hits shit the fan», um das Bild des «heissen Scheiss» nochmal aufzunehmen. Richtig heiss wird es, wenn die Notenbanken digitales Geld anbieten. «Central Bank Digital Currencies» werden übrigens wirklich «Geld» sein, weil CBDC gesetzliche Zahlungsmittel sein werden und nicht «privates Geld in multilokalen Währungskreisen». Noch heisser wird es, wenn das zusätzlich dazu führen wird, dass etablierte Banken echte Konkurrenz von Fintechs erhalten werden. Die machen die Digitalisierung der realen und monetären Wirtschaft nämlich besser als die meist alten weissen Männer in den Banktürmen. In denen kann sich kaum jemand vorstellen, wie weit die «Tokenisierung der Wirtschaft» gehen wird. Dann heisst es: «shit flies». Dann bricht in den Bankentürmem Panik auf der Titanic aus.

Die jungen Frauen und Männer wollen mit einem digitalen Marsch durch die Institutionen die alten Adressen an der Wall Street, in der City und auch in Mainhatten herausfordern. Das kann funktionieren, aber in Sachen Geld wird es wahrscheinlich es zu einer Koexistenz aus privaten und staatlichem Digitalgeld kommen. Dafür sind Bitcoins & Co. bereits zu sehr etabliert, als dass man die Notenbanken sie ganz wieder vom Markt verdrängen kann. Das Beispiel von Facebook & Co.`s «Libra» lässt grüssen, gerade weil es unter «Diem» neu gestartet worden ist. Die Notenbanken müssen zudem die Stabilität des Finanzsystems im Auge behalten, so dass sie wahrscheinlich «Reservate für die Ureinwohner der globalisierten Finanzwelt» werden einrichten und finanzieren müssen. Also: alles komplex, aber alles kein wirkliches Problem, oder?

Nun, es gibt doch ein Problem: die Notenbanken selbst! Sie haben zum einen viel zu lange gepennt, bis sie auf den neuen «heissen Scheiss» reagiert haben. Denn in Notenbanken sitzen auch nur alte weisse Männer (und aktuell Christine Largade). Warum sollten klassische Notenbanker innovativer sein als normale Banker? Zum anderen müssen die Notenbanken auf ihren Ruf aufpassen, denn die Geschichte der ausufernden Geldmenge (und irgendwann folgender Inflation) wird am offenen Feuer in der heissen Küche der Finanzalchemisten munter erzählt. Wenn die weissen Alten die Inflation nicht im Griff haben, werden sie schnell noch älter aussehen. Die Jungen hätten aber vielleicht eine Idee: Warum nicht die ganzen Dollar, Euro, Franken-Aktien und Anleihen, die man in den letzten Jahren gekauft hat und auf den  Notenbankbilanzen lasten, als echtes Geld für die digitales Geld hinterlegen?

Das wären dann keine Bitcoins mehr, sondern Stablecoins - stabiles digitales Geld als Eurocoin, Dollarcoin oder Swisscoin. Wie gesagt: Man muss nicht den Tag vor dem Abend loben, aber es gibt eine Menge Dinge rund um Kryptowährungen, die man loben muss. Was man an Bitcoins loben kann, ist die Vorreiterrolle und die grundsätzliche Idee der Blockchain. Aus meiner Sicht sind sie aber nicht die Lösung des Problems. Das werden andere Ansätze sein: «Diem» (Lateinisch: der Tag) lässt grüssen, auch wenn der Name «Libra» besser zu «Like» gepasst hätte. Man kann nicht alles haben - ausserdem wird «Geld» nicht einfach so «geliked», sondern eher «gestrustet». Das wäre dann «heisser Scheiss» mit einem viel besseren Stoffwechselkreislauf.

 


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