Bad Banks - eigentlich gehören alle in den Knast!

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In Bad Banks sind die Bad Banker Frauen. Désirée Nosbusch als Christelle Leblanc ist very bad und Paula Beer als Jana Liekam at least a bit bad. Interessante Skriptanlage für einen Krimi aus der Bankenwelt, in der doch zumeist Männer die bad boys sind und Frauen eher assistierendes oder erotisches Beiwerk. Beide, Leblanc und Liekam, könnten es in der realen Welt locker mit den bad bankern mit big balls aufnehmen. Denn nach sechsmal 50 Minuten sitzt Leblanc auf dem Stuhl des Mannes, der noch am ehesten als not-so-bad-banker durchgehen würde. Gabriel Fenger, gespielt von Barry Atsma, geht ins Gefängnis, in das eigentlich die immer edel gewandete Leblanc gehören würde. Wenigstens hat Fenger zuvor seinen Mitleidsfick von Liekam bekommen, die ihn etwas später in den Knast bringt – über ihre Leaks plus schönem Shortselling, das ihr über ihr Insiderwissen zwei Millionen Euro bringt. Dafür gehörte eigentlich auch die etwas unschuldig daherkommende Liekam hinter Gitter. Die Tatsache tröstet auch nicht über den Umstand hinweg, dass Liekam sich geschworen hat, Leblanc in den Knast zu bringen. Der halbwegs Gute ist im Gefängnis, die beiden banker bitches sind draussen, genauso wie Quirin Sydow (gespielt von Thomas Moretti), der laut Fenger «aus Überzeugung seine Werte verkauft hat». Ist aber auch ganz egal. In der Realität gehören eigentlich fast alle Figuren im Film hinter Gitter – mal wegen Betrugs, mal wegen Insiderhandels, mal wegen Drogen, mal wegen Erpressung oder mal wegen Stalking. Übrigens auch der Mann von der Bankenaufsicht – Typ Beamter A14 mit Zuschlag, der sich die Dame von Sydow zahlen lässt, was den im Abschlussbericht dafür schont. Gut eingesetztes Geld – aus Sydows Sicht, der nur einmal schwächelt, als er fast Selbstmord begehen will.

Stellt sich die Frage, ob die rund 300 Minuten die Realität einigermassen widerspiegeln? Im Grunde ja – sie zeigen die Welt, wie sie 2008 im Investmentbanking war (und nicht, keine Sorge, bei der Hausbank um die Ecke). Eine Zeit, in der es «keine Loyalität gab» (Leblanc), man «seine Werte an der Drehtüre abgab» (Adam Pohl gespielt von Albrecht Schuch), in der «man den Kunden verkaufte, was sie nicht brauchten» (Liekam) oder eben Katastrophenbonds auflegte, die auf die Stärke von Erdbeben wetteten. Oder Immobilien verbrieft und verschachtelt hat (im Film für ein Projekt in Leipzig). Alles so oder ähnlich vorgekommen in der Welt von 2008. Bad Banks «musste (auch im übertragenen Sinne) nur dem Schrott folgen» (Leblanc), den die Banken wirklich verzapft hatten. Wem das manches Mal zu einfach gespielt wurde, dem sei gesagt: Nein, so einfach war die Welt der Banker und ihr Betrugs- und auch Verarschungspotential. Die Subprime-Krise von 2008 wäre bei gesundem Menschenverstand zu vermeiden gewesen. Aber gerade die Händler unter den Investmentbankern haben eben oftmals keinen Verstand, und schon gar keinen gesunden. Und die Vorstände mögen Verstand haben, aber sie haben die Big Deals ihrer Big bad boys nicht verstanden. Das wird sehr gut dargestellt, aber (leider?) nicht erklärt. Zur unterhaltend spannenden Erklärung empfehle ich da ganz eigennützig meinen Thriller bad banker unter zu bestellen (hier klicken). Deshalb schreibe ich doch auch diese Kritik hier und in den nächsten Tagen, wenn es nach ARTE im ZDF wiederholt wird (3. bis 5. März ab 21:45). Mein bad banker ist wie das Buch zum Film, auch wenn es nicht die Grundlage des Films ist.

Wie gesagt: 2008 wird gut dargestellt, aber ist das die Realität von 2018? Nicht dass es die Absicht der Serie sein müsste, aber da an manchen Stellen so getan wird, als sei das im Heute und Jetzt – so in der grossartigen Szene auf der Hauptversammlung der Deutschen Global Invest, als Fenger einem Aktionär entgegenschleudert: «Der Begriff der Sicherheit wurde pervertiert. Ich will wieder für Wachstum ohne Märchen über Sicherheit mit einer gesunden Portion Kampfgeist stehen». Danach springt der Aktienkurs. Und ja, so einfach ist die Welt der Börsen manches Mal. Aber dennoch ist das nicht 2018. So würde heute keine Bank mehr pleitegehen und in grossartigen Film-Szenen vom Bundesfinanzminister gerettet werden müssen (wie der Film-Minister da über den Tisch gezogen wurde, dürfte dem damalig echten Finanzminister Peer Steinbrück nicht gefallen). Das Alte von 2008 ist überwiegend reguliert, aber heute geht es um andere toxische Gifte: Unbegrenzte Staatsanleihen (sind noch nicht reguliert), Nullzinsen (sind noch immer da), Brexit (wird wohl kommen oder nicht) und Bitcoins (das ist kein Geld, sondern Falschgeld!) etc. Die nächste Krise kommt bestimmt, aber anders. This time it is different! Vielleicht endet die Serie ja deshalb sogar mit einer Art Cliffhanger – Liekam und ihre beiden Loyalitätsinsiderwissenbuddies Adam Pohl und Thao Hoang (gespielt von May Duong Kieu) heuern wohl wieder bei der nun von Leblanc geführten Investmentbank an und wollen diese grossartige Zahlenhexe und Ex-Agentin mit stotterndem Sohn (ihre persönliche Imperfektion) in der edlen Villa ins Gefängnis bringen. Na, dann mal zu! Und unbedingt anschauen. Schauspieler und Serie sind wie Triple A ohne Abschlag auf den Wert.


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