Die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro die Euro gewinnt, liegt bei 75 Prozent, da von den acht Mannschaften im Viertelfinale sechs aus dem Euroland stammen. Nur England und Tschechien haben eigene Währungen. Interessant ist allerdings, dass mit Portugal, Griechenland, Spanien und Italien vier Problemländer des Euro an der Euro noch dabei sind. Die möglichen Euro-Ausfälle an der Euro summieren sich auf 50 Prozent. Nur auf die Euroländer bezogen sind es sogar 66 Prozent. Und nimmt man noch Frankreich als Problemfall hinzu, sind es 83 Prozent Ausfallkandidaten. Was soll die ganze Rechnerei? Ist doch logisch: Nur Deutschland ist stabil im Euro und wird deshalb auch die Euro gewinnen. In der Ökonomie ist das eine Nonsenskorrelation, aber das ist Unsinn. Denn dieser Blog „Euro(pa)meister Deutschland“ wird bis zum 2. Juli aktuell bleiben.
Jenseits der Nonsenskorrelation sind es jedoch die Zufälle, die einen Vergleich interessant machen: Welch ein Zufall, dass Deutschland ausgerechnet gegen Griechenland antreten muss? Gerade das Land, welches unter der „deutschen Sparknute“ am meisten leidet. Sie werden es den Deutschen zeigen wollen, und die Griechen können kämpfen. Hätten sie auch deutsche Technik, dann könnte es eng werden. Hier ist der Vergleich gar nicht mehr unsinnig: Wäre der Tourismus serviceorientierter, kämen mehr Gäste. Hätten die Griechen mehr Innovationskraft, könnten sie wettbewerbsfähiger werden. Die Griechen sind nicht faul – das zeigt die Euro. Vielleicht sollten Kanzlerin Merkel und Griechen-Premier Samaras beim Spiel über den Vergleich reden.
Völlig unvoreingenommen prognostiziert kommt es wohl zu den Halbfinalpaarungen Portugal gegen Spanien und Deutschland gegen England. Alleine schon, damit der Sieg des Euro an der Euro gesichert bleibt, werden die Deutschen die Engländer rausschmeissen. Ausserden spielt England – mit leichten Anpassungen – immer noch den uralten kick and rush-Fussball der 60er Jahre, als das Empire noch ein solches war. Dass England heute keine Industrie mehr hat (man sollte die Finanzbranche nicht als Industrie bezeichnen), hat damit zu tun, dass man keine Innovationskraft hat. Bildung wird in England leider nicht gross geschrieben. Fussballer für die Liga kauft man ein. Sollte die Kanzlerin auf Premier Cameron treffen, wäre das ein Thema, wie England sich besser in Europa integrieren liesse. Der Spielplatz in Warschau wäre im Übrigen ein gutes Vorbild.
Am 1. Juli kommt es dann aller Voraussicht nach zum erneuten Finale Deutschland gegen Spanien (ausser Christiano Ronaldo ist bei einem wichtigen Spiel doch mal keine Memme). Auch hier ist die Parallele zur Wirtschaft sehr interessant. Die Spanier haben das tiki taka-Spiel erfunden, das geniale Kurzpassspiel, bei dem das Team völlig aufeinander eingespielt sein muss, Routinen und Genialität miteinander verbinden können muss. Spanien hat im übertragenen Sinne Innovationskraft. Weder fussballerisch noch wirtschaftlich ist Spanien im Kern ein Problemland in Europa. Zumindest nicht mehr als Frankreich und Italien, die nach den Viertelfinals nach Hause fahren werden. Sie haben nur alle zuviel Schulden – wie im Übrigen auch Real Madrid oder Inter Mailand. Ganz anders als Bayern München könnte man auch sagen.
Die Deutschen haben sich von den Spaniern das tiki taka abgeguckt und perfektioniert. Und genau deshalb wird Deutschland eben auch Euro(pa)meister. Ein Korrigendum am 2. Juli wird es hier jedenfalls nicht geben. Ist ja ohnehin alles nur ein Spiel mit der Euro. Ganz anders als mit dem Euro – das ist alles andere als Nonsens. Es wäre schön, wenn es auch Konsens bliebe, und zwar in ganz Europa. Europa und das "Friedensprojekt Euro" sind zu wichtig für ein Spiel. Wer immer auch Meister wird. Denn im Gegensatz zum Europameisterschaft, die nur alle vier Jahre stattfindet, muss das Euroland auch nach dem Endspiel täglich weiter das Spiel gegen die Märkte bestehen. Die Politik muss die Märkte meistern!