Dr. oec. HSG Josef Ackermann hat schon viele Titel verliehen bekommen - als "Frühwarnsystem", wie ihn das Handelsblatt heute tituliert, habe ich den Chef der Deutschen Bank hingegen noch nicht wahrgenommen. Vieles erinnere ihn derzeit an den Herbst 2008, als Lehman Pleite ging und mit ihr die Weltwirtschaft an den Abgrund rückte. Mit diesen Äusserungen an der renommierten Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" schickte er den Dax um gut fünf und die Aktie seines Instituts um gut acht Prozent in den Keller. Dieser Ackermann macht halt keine halben Sachen. Die Frage ist nun: Ist er denn wirklich ein Frühwarnsystem und, vor allem, wovor warnt er?
Seit Anfang August fallen die Kurse dramatisch - da kommt so eine Äusserung rund vier Wochen später nicht gerade "in real time". Doch zweifelsohne hat er sich den besten Termin ausgesucht, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Hätte Ackermann also eine andere, weniger sorgenvolle Rede gehalten, so hätte man sich als Beobachter etwas entspannter geben können. Doch so hat der baldige Überchef der einzigen relevanten Bank in Deutschland sehr deutlich gemacht, dass wir vor einem bleiernen Herbst stehen, dass wohl wieder Unischerheit in die Käufernschichten eindringt wie die Feuchtigkeit nach dem Sommer in die Kleidung. Hat Ackermann recht, dann kennen die Konjunkturprognosekorrekturen der nächsten Wochen nur eine Richtung: Abwärts, wie die Börsen es bereits vorwegnehmen.
Das ist aber nur der eine Teil der Frühwarnung von Herrn Ackermann: Der andere Teil betrifft die Zukunft der Banken, und die Warnung geht an die Nachfolge-Generation in seiner und anderen Banken: "Aufsicht und Regulierung drohen nationaler zu werden … " Da hat er wohl recht, aber es darf darauf hingewiesen werden, dass das auch eine Folge der internatioanlen Bankenlobbyarbeit unter und mit Joe Ackermann ist, die die nationale Behörden gegeneinander auszuspielen versucht. Wenn Ackermann demnächst als Aufsichtsratschef mehr Zeit hat, kann er sich einer vernünftigen einheitlichen globalen Lösung für die Bankenregulierung widmen; denn man muss sich daraufhin überprüfen, "ob wir (die Banken) unseren genuien Aufgaben als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden." Wohl wahr, aber das ist eher prophetisch, denn frühwarnend, oder?