Über Wikileaks schreibe ich erst jetzt, seit Herr Assange angekündigt hat, im kommenden Jahr eine amerikanische Grossbank blosszustellen. Er will Dokumente ins Netz stellen, die "wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten" zeigen. So hat er es sogar auf die Titelseite des Handelsblatts geschafft. Herr Assange erwartet, dass sich daraus "vermutlich Untersuchungen und Reformen" ergeben werden. Und sicher wird er wieder so eine schöne Medienkampagne lostreten, die ihn von der New York Times bis in den Spiegel bringt. Man mag fürchten, dass dann der nächste Finanz-GAU vor der Türe steht, der Abgrund naht oder sonst etwas an den Märkten passiert. Ehrlich gesagt: Ich fürchte das nicht, es wird nichts Neues geben.
Diese Schweine! Aus der Abkürzung für Portugal, Irland, Griechenland und Spanien ergibt sich sinnigerweise Pigs, was auf Englisch Schweine heisst. Zwei der vier Staaten sind bereits in schweren Währungsturbulenzen, auch wenn sie alle den Euro haben und man es deshalb nicht mehr allein an den Wechselkursen ablesen kann. Doch die Risikoaufschläge bei den Staatsanleihen sprechen eine klare Sprache, und dies auch in eingeschränkem Masse für Portugal und Spanien. Wie soll das weitergehen? Soll jetzt Monat für Monat ein Staat unter den Eurorettungsschirm?
Vor einiger Zeit habe ich bei Aeschbacher über Privatbankiers gesagt, sie seien ein Relikt des 20. Jahrhundert und eher ein "Auslaufmodell". Das wird sicher den einen oder anderen Privatbankier die Augen rollen lassen. Haben nicht die Investmentbanker den ganzen Schlamassel angerichtet? Stimmt, und genau das ist das Problem, bei dem uns die persönlich haftenden Privatbankiers nicht helfen können. Wir müssen die Investmentbanker des 21. Jahrhunderts ändern. Und die sind nun einmal keine Privatbanken mehr, sondern grosse internationale Finanzkonzerne, in der Regel börsennotiert.
Der Schweizer Sonntagsblick, so etwas wie die Bild am Sonntag der Eidgenossen, bringt es auf den Punkt: "Politiker prügeln gern auf Joe Ackermann ein. Oder sie lassen sich von ihm beraten. Wie nächste Woche am G20-Gipfel." Genau, Herr Ackermann polarisiert. Das ist sicher keine Absicht, aber seine eigene Schuld, denn manche seiner Äusserungen und Gesten sind mehr als ungeschickt. Lassen wir aber diesen kommunikativen Teil einmal beiseite und wenden uns dem Banker und Berater Ackermann zu; es gibt in Europa und nicht nur in Deutschland wohl wirklich niemanden, der ihm professionell auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Er ist damit der zentrale Mann in der globalen Finanzkrise.
Immer wenn Bankenverbände mal so richtig mit dem Volk reden wollen, kommt in letzter Zeit Populistenbanking nach dem Motto "Bitte-versteht-mich-doch" heraus. Im Juni drohte das International Institute of Finance (IIF), der internationale Bankenlobbyverband, mit dem Verlust von 10 Millionen Arbeitsplätzen, falls die Regierungen zu stark regulieren würden. Und in dieser Woche hat der deutsche Lobbyverband, der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) in einer Art Frankfurter Erklärung seine "grösste Sorge" zum Ausdruck gebracht: Es drohe mit der hiesigen schärferen Regulierung ein deutscher Alleingang, der die deutschen Banken - die Deutsche Bank bleibt eine Ausnahme, obwohl sie wohl aus Gesamtinteressenlage die Erklärung natürlich mit unterzeichnet hat - nicht mehr konkurrenzfähig hielte.
Gestern hat ein Student in der Pause meiner Vorlesung "Reporting Governance" an der HSG eine Ankündigung aufgelegt, dass heute Abend "Wall Street - Geld schläft nicht" als Preview laufen wird. Als erstes fiel mir auf, dass ich 1987, als Gordon Gekko das erste Mal sein wildes Spiel getrieben hatte, so alt war wie heute meine Studenten. Wir haben also in Zukunft etwas gemeinsam - nämlich einen Film: Wall Street - ich die Eins, meine Studenten die Zwei und gut 20 Jahre liegen dazwischen. Jenseits der Alterserkenntnis sollte man den Jungen den Hinweis geben, dass Wall Street I deshalb so berühmt wurde, weil er den Crash von 1987 - übrigens heute vor 20 Jahren am 19.10.1987 mit einem Sturz des Dow um über 20 Prozent nach, man ahnt es, einer starken Überhitzung der Märkte - fast prophetisch vorhergesehen hatte.
Horst Köhler, unser Bundespräsident a.D., ist zurück im Dienst, und zwar als Berater der G20. Diese Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie-, Schwellen- und arabischen Ölförderländer sowie der Weltmächte Russland und China ist seit Ausbruch der Finanzkrise so etwas wie ein Weltkoordinierungsrat. Den zu beraten ist mehr als ehrenvoll, superwichtig und insofern genau das Richtige für Superhorst, wie er vom deutschen Boulevard genannt wurde. Man könnte fast sagen, seine plötzliche Demission, die an dieser Stelle auch schon beklagt wurde, bekommt einen Sinn.
Worte sollten vorsichtig gewählt werden; denn schliesslich gibt es auch einen Krieg um Worte. Nun haben die internationalen Finanzmärkte einen neuen Begriff geboren, den jeder einfach so übernimmt: Währungskrieg. Nach dem Kalten Krieg findet nun also ein Krieg statt, der mit der Waffe Währung geführt wird. Die Währungskrieger sitzen in den USA, in Europa, aber vor allem in den Schwellenländern Lateinamerikas oder in China. Ich will hier nicht über Wechselkursparitäten fabulieren, nichts von Kaufkraft berichten oder auf das Problem innerhalb des politischen Projekts Euro mit Blick auf Griechenland aufmerksam machen.
Der Terminus Bad Bank ist die Vorlage für den Titel bad banker, meinem Thriller über die Finanzkrise, der vor knapp zwei Wochen auf den Markt gekommen ist. Bad Banker sind nun die Banker, die den Bilanzmüll produziert haben. Dieser toxische Abfall wird ausgegliedert und abgewickelt. So etwas passiert nun erstmals bei der Hypo Real Estate (HRE), deren Bad Bank den hübschen Namen FMS Wertmanagement erhalten soll und in die sage und schreibe über 190 Mrd. Euro Aktiva gepackt werden, die man derzeit wohl eher als Inaktiva bezeichnen müsste.
"Wir leiden alle unter den Banken", sagt Nick Hayek, Chef der Swatch-Group, in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Und Robert Koehler, seit vielen Jahren Chef der sehr kapitalmarktaffinen SGL Carbon, bemerkt in der aktuellen Wirtschaftswoche, dass sein Unternehmen "hoffentlich nie wieder mehr von Banken abhängig werden" wird. Zwei Stimmmen, denen man viele andere ähnliche hinzufügen könnte, und diese Herren sind alle keine Sozialisten, sondern besonnene Unternehmer und Marktwirtschaftler. Es scheint so, als würden Good Banker dringend gesucht.